Upcycling im Johannes-Falk-Haus: Statt Gestrüpp wachsen jetzt Kräuter hinterm Haus und zwar in ausrangierten Kanus
Jahrelang standen die beiden Kanus in einer Ecke im Hof – wassertauglich waren sie schon lange nicht mehr. Bis einer der Bewohner im Johannes-Falk-Haus die Idee hatte, den Kanus eine zweite Chance zu geben: Als Beet, in dem jetzt Erdbeeren, Kräuter und Kohlrabis wachsen.
Eine zweite Chance, manchmal eine dritte oder vierte, die brauchen auch die jungen Bewohner im Johannes-Falk-Haus. Junge Menschen zwischen 16 und 25, mit schwierigen Biografien, wenig bis keinen Rückhalt aus dem Elternhaus und vielen schlechten Erfahrungen im Leben. Würden sie nicht im Johannes-Falk-Haus leben, wären sie wohnungslos und auf der Straße.
Bewohner hatte die Idee
Die Tagesstruktur gehört zu den festen Angeboten im Johannes-Falk-Haus, um den jungen Menschen wieder eine Perspektive und Selbstwertgefühl zu vermitteln. Es wird gemeinsam gekocht und dafür eingekauft. Wulle und Foxi, die beiden Hasen im Gehege, müssen versorgt werden, es wird in der Holzwerkstatt gearbeitet und auch im Garten. Die Idee, die Kanus als Beete umzunutzen, hatte kein Pädagoge, sondern ein junger Bewohner.
Entstanden sind die Kanus vor vielen Jahren in der Holzwerkstatt. Auf dem Wasser waren sie allerdings schon lange nicht mehr, richtig dicht waren sie wohl nie, vermutet Patrick. Er lebt seit einem Jahr im Johannes-Falk-Haus und gibt bereitwillig Auskunft über das Upcycling-Projekt. Wo jetzt die bepflanzten Kanus stehen, war vorher Gestrüpp – und viel Bauschutt unter der ersten Erdschicht.
Bald sollen noch Hochbeete dazukommen
„Es war richtig harte Arbeit, den Boden freizubekommen“, erzählt Patrick. Rund zwei Monate hat es gedauert, den Hang freizulegen, die Kanus mit Noppenfolie von außen abzudichten, sie passgenau in den Hang einzubauen und zu bepflanzen. Bald sind die ersten Erdbeeren reif, Petersilie, Thymian, Schnittlauch, Kohlrabi und Mangold gedeihen prächtig.
Und wofür stehen so viele Paletten auf dem Hof im Garten? „Die brauchen wir für Hochbeete“, sagt Patrick. Das ist das nächste Projekt: Vor dem Haus gibt es noch reichlich Platz in der Sonne. Und da soll demnächst selbst gebauten Holzhochbeeten noch mehr Gemüse wachsen und gedeihen. Und auch für Wolle und Foxi hat die Gartengruppe im Johannes-Falk-Haus einen Plan: „Wir würden gern eine Verbindung vom Gehege zur Rasenfläche bauen, damit die Hasen selbständig raus und rein kommen“, erzählt Patrick.
Er hatte eine Malerausbildung begonnen, aber aus verschiedenen Gründen nicht abgeschlossen. Dass er jetzt Freude am Graben, Pflanzen und Bauen entwickelt hat, könnte die Tür in eine andere berufliche Richtung öffnen. Auf die erste Erdbeerernte freut sich Patrick jedenfalls schon sehr.

