Auszeichnung für den Tagestreff Nürtingen – Mit dem „Ei der Heckschnärre“ wird der Einsatz für Menschen am Rande der Gesellschaft gewürdigt
Der Name klingt nach Schabernack, doch die Ehrung ist ernst gemeint: Wer vom SPD-Ortsverband das „Ei der Heckschnärre“ verliehen bekommt, der kümmert sich in besondere Weise um das Zusammenleben in Nürtingen. Jetzt hat der Tagestreff der eva in der Paulinenstraße die Auszeichnung bekommen. Er sei „eine verlässliche Anlaufstelle für diejenigen, die sonst nirgendwo angenommen werden“, so die Begründung bei der Verleihung in der Kreuzkirche in Nürtingen. Wie die Heckschnärre - ein Vogel, der hohe Wiesen mag und immer aufrecht daherkommt - lautstark ihr Revier verteidigt, so verteidige der Tagestreff das Recht auf Teilhabe für Menschen in Armut und Wohnungsnot.
Hinter jedem Gast steht eine Geschichte
Im Tagestreff kann man duschen, Wäsche waschen, es gibt eine Fachberatung und von Montag bis Freitag ein warmes Mittagessen, das von Ehrenamtlichen gekocht wird. Rose Kaiser ist eine dieser Köchinnen: „Ich habe ein sehr gutes Leben gehabt und möchte im Ruhestand gerne etwas zurückgeben“, sagt sie über ihre Motivation. „Man ahnt nicht, welche Geschichten hinter den Menschen stehen, die zum Essen kommen. Ich habe hier schon viel erfahren und erzähle das auch meinen Freundinnen.“ Sozialbürgermeisterin Annette Bürkner, die bei der Preisverleihung ebenso auf der Bühne war, lobte Ehrenamtliche wie Rose Kaiser als „Brücken in die Gesellschaft", die Vorurteile abbauen. "Nürtingen ohne Tagestreff? Das ist für mich undenkbar“, sagte Bürkner.
Bis zu 40 Essen täglich werden ausgegeben
Jana Kapaun, die Bereichsleiterin der Ambulanten Hilfen Nürtingen und Leiterin des Tagestreffs, ist froh, dass es in Nürtingen so viele Unterstützerinnen und Unterstützer gibt, „die uns helfen, den Menschen zu helfen. Mit ihrem Einsatz, aber auch mit Spenden.“ Die Wohnungsnot sei nach wie vor extrem, die Weg aus der kommunalen Notunterkunft heraus schwer. „Wir haben jedes Jahr mehr Gäste, die zu uns kommen, auch Einsamkeit ist unter älteren Menschen ein großes Thema“, sagt Kapaun. Bis zu 40 Mittagessen werden täglich ausgegeben. Umso wichtiger sei es, dass die Finanzierung durch Stadt und Landkreis stabil bleibe. Das sieht auch Sozialbürgermeisterin Bürkner so, die zudem betonte, wie wichtig die sozialen Fachkräfte der eva für die Stadt sind: „Durch ihre aufsuchende Arbeit in den Notunterkünften haben auch wir einen Zugang zu den Menschen dort bekommen.“


