Treff Sozialarbeit: Hilfe für Klientel und Fachkräfte in der Wohnungsnotfallhilfe – Modellprojekt STABIL unterstützt praxisnah
Beleidigungen, Bedrohungen, Ausraster: Der Treff Sozialarbeit der Evangelischen Gesellschaft (eva) beleuchtete herausforderndes Verhalten bei Klientinnen und Klienten und stellte das Modellprojekt STABIL vor, das diese sowie Fachkräfte praxisnah unterstützt.
Drogensucht, Depressionen, aggressives Verhalten und psychische Belastungen – bei der Arbeit mit Menschen aus der Wohnungsnotfallhilfe werden die Fachkräfte mit vielen Problemen konfrontiert. Beim Treff Sozialarbeit für Beschäftigte in der Sozialen Arbeit hat die Sozialberatung Stuttgart ihr Modellprojekt STABIL vorgestellt. Dessen Ziel ist zum einen, die Lebenssituation von Menschen mit herausforderndem Verhalten langfristig zu verbessern. Zum anderen sollen die Fachkräfte in Einrichtungen entlastet und unterstützt werden.
Anlass für Gründung war die zunehmende Gewalt
Die steigende Zahl der körperlichen Übergriffe auf Fachpersonal war einer der Gründe, wieso in Stuttgart ein Kriseninterventionsteam eingerichtet wurde. Dieses ist unter dem Namen STABIL als mobile Beratungsstelle aktiv. Die Zielgruppe des Modellprojekts sind wohnungslose Menschen ab 18 Jahren, die wiederholt durch Gewalttätigkeit aufgefallen und oft vorbestraft sind, etwa wegen schwerer Körperverletzung oder Sexualdelikten. „Das sind Leute, die meist viele Hausverbote haben und kaum noch unterkommen“, erläuterte die Teamleiterin Katrin Sailer. „Wir vermitteln sie in Unterkünfte und arbeiten mit ihnen weiter.“
Der Kontakt zu den Klienten kommt zum Beispiel durch Fachberatungsstellen der Wohnungsnotfallhilfe zustande, die sich an das STABIL-Team wenden. Dieses prüft den Fall genau und trägt alle relevanten Informationen zusammen. Übernimmt das Team die Betreuung, so geschieht das langfristig und über Einrichtungsgrenzen hinaus. „Für den Klienten gibt es eine zuständige Person, auch wenn er aus dem Wohnheim rausfliegt oder in Haft landet“, berichtete Katrin Sailer: „Wir verfügen im Team über eine große fachliche Expertise und über mehr zeitliche Ressourcen für unsere Leute als beispielweise die Fachberatungsstellen. Das macht sehr viel aus und verändert etwas.“
STABIL übernimmt häufig die Verwaltung des Geldes, was zu weniger Konflikten mit den Fachkräften in der Einrichtung führt. Letztere können sich vom Team beraten lassen – zu allgemeinen Fragen, aber auch fallbezogen. Zudem bietet STABIL Workshops und Fortbildungen an.
Sozialhotels als niederschwellige Angebote
Die Lebenssituation von wohnungslosen Menschen mit psychischen Belastungen zu verbessern: Das ist das Ziel der niederschwelligen Sozialhotels, welche Monika Bachmeier vom Caritasverband Stuttgart vorstellte. Das CityHome No.9 und das Soho64 in Stuttgart nehmen diese Gruppe auf: „Man braucht kein Attest und kein Gutachten.“
Vor Ort gibt es einen Präsenzdienst, den die Bewohner nicht nutzen müssen. Solange sie die Hausordnung einhalten, sind sie nur verpflichtet, sich drei Mal pro Woche in eine Liste einzutragen. Der Konsum von Drogen – mit Ausnahme von Cannabis – ist erlaubt, aber nicht auf Gemeinschaftsflächen.
„Die Menschen brauchen oft lange, um Vertrauen zu fassen“, ist Monika Bachmeiers Erfahrung. Die Fachkräfte vor Ort böten ein offenes Ohr, Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit und unterstützten die Klienten im Alltag: „Es gibt Menschen, die schon ewig nicht mehr beim Arzt waren. Für sie suchen wir einen Hausarzt.“

