Treff Sozialarbeit der eva: Herausforderungen für soziale Träger nehmen zu – zentrales Ziel: Selbstbestimmung im Alter
Einsamkeit im Alter nimmt stetig zu. Sie ist verbunden mit steigenden Lebenshaltungskosten, hohen Mieten, geringen Renten, unzureichender Altersversorgung und fehlender Unterstützung durch familiäre Netzwerke. Der jüngste Treff Sozialarbeit der Evangelischen Gesellschaft (eva) hat sich der Frage gewidmet, wie sozialpädagogische Fachkräfte und Ehrenamtliche adäquat darauf reagieren können. Unter dem Motto „Ältere Menschen im Blick“ ging es um „Teilhabe und Versorgung im Alter“.
Fachkräfte von Einrichtungen im Stuttgarter Hilfenetzwerk, zu dem auch die eva gehört, machten die enormen Herausforderungen im Alter deutlich: Einsamkeit und die damit verbundene psychische Belastung, ein steigender Hilfebedarf, Altersarmut und Lücken in der Versorgung. Laut Rita Grigsby vom Amt für Soziales und Teilhabe der Stadt Stuttgart steigt nicht nur die Zahl der Einpersonenhaushalte im Alter. Auch die Zahl der Menschen ab 65, die Hilfe zum Lebensunterhalt oder Grundsicherung im Alter beziehen, nimmt zu. Von 2011 bis 2023 ist ihr Anteil von 3,5 auf 6 Prozent angestiegen.
Zentrales Ziel der Altenhilfe sei Selbstbestimmung, so Grigsby. Die Gefahr, die Eigenständigkeit zu verlieren, sei bei diesem Personenkreis aber groß. Um im vertrauten Wohnumfeld bleiben zu können, sieht Grigsby als „tolle Alternative zum Heim“ Pflegewohngemeinschaften. Auch dreißig soziale Treffpunkte der Stadt im Bereich Altenhilfe würden dazu beitragen. Ungewiss sei, wie angesichts drohender Etatkürzungen die soziale Infrastruktur künftig ausgestaltet werden könne, so Grigsby. Neben verordneten Begleitdiensten und Haushaltshilfen setzt sie auf nachbarschaftliche Angebote und das Ehrenamt, die ein wichtiger Teil der sozialen Infrastruktur seien.
Wohnen sei ein großes Thema, sagte Grigsbys Kollegin Magdalena Cuesta-Fernandez; sie ist für den Bürgerservice für Menschen ab 63 in den Stadtteilen Bad Cannstatt und Mühlhausen verantwortlich. Ein Team von 57 Beschäftigten betreut hier sieben Pflegestützpunkte, macht präventive Hausbesuche und befasst sich mit Wohnformen im Alter. Es gehe oft darum, wie lange Betroffene in ihrer Wohnung bleiben können, so Cuesta-Fernandez. Als drängendes Problem nannte sie fehlenden Wohnraum. Neben Krankheit, Einsamkeit und Ärztemangel würden auch Herausforderungen im Alltag wie die Digitalisierung älteren Menschen verstärkt zu schaffen machen.
Mit extrem hohen Schamgefühlen bei den Betroffenen ist Lukas Lima de Paiva konfrontiert. „Psychische Erkrankungen sind sehr stigmatisiert“, berichtete er. Lima de Paiva leitet die Gerontopsychiatrische Beratungsstelle GerBera der Caritas in Bad Cannstatt für Menschen ab 63, die an Demenz oder psychischer Erkrankung leiden, und ihre Angehörigen. Der Zeitaufwand bei der Betreuung sei sehr hoch, berichtete Lima de Paiva. Denn zum erhöhten Armutsrisiko komme die Gefahr der Suizidalität. Wichtig ist für ihn eine niederschwellige aufsuchende Hilfe.
Bei der eva ist die große Herausforderung, geeignete Ehrenamtliche zu finden. In der ambulanten Hilfe des diakonischen Trägers kümmern sich zehn Fachkräfte gemeinsam mit rund 300 Ehrenamtlichen darum, ältere Menschen zu integrieren. Dazu dienten eine Begegnungsstätte, Gesprächskreise, Besuchsdienste, der Helferkreis Demenz, ein Seniorentelefon und Begleitdienste wie der sehr gefragte Fahrdienst Flitzerle, erläuterten Laura Schmid und Sandra Ranzinger.

