In der intensivpädagogischen Jugendhilfeeinrichtung Scout werden seit zwei Jahrzehnten Jungs zwischen 12 und 17 Jahren betreut - mit klaren Regeln und engen Grenzen. Zum Jubiläum gab es viel Lob, auch von einem ehemaligen Bewohner.
Wer zu Scout kommt, braucht einen richterlichen Beschluss. Denn in dieser Jugendhilfeeinrichtung der eva-Tochter „youcare“ gehört es zum pädagogischen Konzept, dass auch mal Ausgangssperre für einzelne Bewohner herrscht. Wenn ein Jugendlicher sich zu oft nicht kooperativ gezeigt und Regeln missachtet hat, hat es zur Konsequenz, dass er das Gelände nicht verlassen darf. Solche „freiheitsentziehenden Maßnahmen“ sind nur mit richterlicher Genehmigung möglich – und in der Jugendhilfe umstritten. Sabine Henniger, Vorständin der eva, erinnerte an ihrem Grußwort zum 20-Jahre-Jubiläum von Scout daran, warum sich die eva damals entschieden hatte, eine geschlossene Jugendhilfeeinrichtung zu gründen: „Weil für manche Jugendliche andere Hilfen langfristig nicht gegriffen haben und weil dabei Konzepte, Mitarbeitende und Jugendliche an ihre Grenzen kamen.“
Zwölf Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren finden in der von Zäunen umgrenzten Einrichtung in Stuttgart-Nord ein Zuhause auf Zeit, gehen dort zur Schule, können ihre handwerklichen Fähigkeiten in verschiedenen Werkstätten erproben und machen Sport. „Die Zäune waren nur am Anfang einengend, später gaben sie mir eher ein Gefühl der Sicherheit“, sagt ein junger Mann bei der Jubiläumsfeier, der als Jugendlicher eineinhalb Jahre bei Scout verbracht hat. „Die Mitarbeiter machen einen Super-Job und es ist gut, dass sie so unterschiedlich sind. Die Jugendlichen sind auch nicht alle gleich.“
Keiner wird aufgegeben
Was allerdings viele eint: Sie haben in ihrem Leben schon viele Abbrüche und wenig Verlässlichkeit erlebt, manche sind bereits straffällig geworden, andere haben eine lange Reise durch verschiedene Einrichtungen der Jugendhilfe hinter sich. Bei Scout geht es darum, langfristig Vertrauen und Beziehungen aufzubauen – auch wenn das Verhalten der jungen Männer noch so herausfordernd ist. Michael Riehle, Referatsleiter beim Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg, stellte in seiner Rede die Beharrlichkeit der Scout-Mitarbeitenden heraus. „Sie halten aus, was manchmal kaum auszuhalten ist und geben niemanden auf. Ich danke Ihnen für Ihre Geduld, Klarheit und Haltung.“
Gunter Joas, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Klinikum Esslingen und fachlicher Berater bei Scout, bestätigte der Einrichtung zum Jubiläum die nötige Offenheit, die gerade bei einer geschlossenen Einrichtung wichtig sei. „Hier arbeiten die Besten der Besten, die emotional berührbar bleiben, aber trotzdem nichts persönlich nehmen.“
Und was sollten Jugendliche wissen, die bei Scout einziehen? „Verhaltet euch am Anfang erst mal unauffällig. Denn wenn man mit den anderen Jugendlichen nicht klar kommt, erschwert das alles, auch die Hilfen“, sagte ein derzeitiger Bewohner auf dem Podium.
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