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Vortrag zum Armuts- und Reichtumsbericht 2008
Am 25. Juni 2008 hat die Bundesregierung ihren dritten Armuts- und Reichtumsbericht verabschiedet. Wichtige Aussagen des Berichtes hat Roland Klose am 18. Juli bei einer Präsentation im Haus der Diakonie der eva vorgestellt. Klose ist Referent des Arbeitsfelds Sozialpolitik gegen Ausgrenzung und Armut beim Diakonischen Werk der EKD. Zu dem Vortrag eingeladen waren Mitarbeitende der eva sowie Vertreterinnen und Vertreter der Diakonie in Stuttgart (DiS), der Liga Stuttgart und des Diakonischen Werks Württemberg.
Der neue Armuts- und Reichtumsbericht ist der dritte dieser Art nach Berichten in den Jahren 2001 und 2005. Nachdem die Regierung ihn verabschiedet hat, wurde er dem Bundestag und dem Bundesrat zugeleitet. Der Bericht stützt sich auf bereits bekannte nationale und EU-Vergleichsdaten, die im Wesentlichen bis 2005 reichen. Noch nicht darin abgebildet ist der wirtschaftliche Aufschwung ab 2006, insbesondere die Auswirkungen der positiven Arbeitsmarktentwicklung auf die Einkommen, aber auch die Folgen der Hartz-IV-Reform und des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes.
2009 finden nicht nur Bundestagswahlen, sondern auch Kommunalwahlen in Stuttgart statt. Auch deshalb seien der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung sowie die Zahlen, die in den Kommunen vorliegen, so wichtig, so Roland Klose. Sie lieferten eine gute Grundlage für Gespräche der Verantwortlichen in der Diakonie mit Politikern.
Klose kam zu folgenden zentralen Aussagen:
- Armut und Reichtum haben in Deutschland in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen. Besonders nachteilig betroffen sind Haushalte mit langzeitarbeitslosen Menschen und in diesen besonders die Kinder. Aus der mittleren Einkommensschicht sind viele Haushalte auch mit Erwerbseinkommen in ein unteres Einkommenssegment abgerutscht und nur wenige in ein höheres aufgestiegen.
- Die im Bericht verwendeten Daten insbesondere zur Einkommenssituation dürfen nicht isoliert, sondern müssen in einem Gesamtzusammenhang betrachtet werden.
- Die Ursache ist nicht nur das Inkrafttreten von „Hartz IV“, sondern auch die Zunahme von prekären Beschäftigungsverhältnissen.
- Der Armuts- und Reichtumsbericht bietet eine Fülle sozialer Daten, die als Kennziffern im Zeitverlauf und im Vergleich zu den Daten anderer Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, unter den Bundesländern und sogar auf der kommunalen Ebene verwendet werden können.
- Die entsprechenden Kapitel im Bericht können und sollen im jeweiligen Arbeitsfeld (Arbeitsmarktintegration, Überschuldung, Wohnungslosigkeit usw. ) Ausgangspunkt auch für eigene Wertungen für den Sozialraum Stuttgart sein: Ist die Situation hier besser oder schlechter als im Bundesdurchschnitt? Wie ist der Trend? Was sind die Beiträge der lokalen Ebene, um die gesteckten Ziele zu erreichen? ...
- Das Instrument, das auf der europäischen Ebene wesentlich Armut und soziale Ausgrenzung mildern bzw. beseitigen soll, ist die „Offene Methode der Koordinierung“. Dieses Instrument soll auch in den Bundesländern und Kommunen angewendet werden.
- Mittlerweile sind etwa 8 Millionen Menschen in Deutschland auf ein Einkommen auf dem Sozialhilfeniveau oder sogar darunter angewiesen. Dabei hat die Kaufkraft des Regelsatzes gerade im vergangenen Jahr deutlich abgenommen.
Den Vortrag von Roland Klose finden Sie hier im PDF-Format.
Eine Zusammenfassung des Armuts- und Reichtumsberichts können Sie hier als PDF-Datei herunterladen.
Den vollständigen dritten Armuts- und Reichtumsbericht finden Sie im Internet hier.
Informationen zu Armutsgrenzen und Armutsquoten gibt es hier.
Weitere Informationen zum Thema „Offene Methode der Koordinierung“:
http://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=448&langId=de
http://www.nationale-armutskonferenz.de/publications/Vortrag1-Prof%20Hauser1.pdf




