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evas Tisch

eva's Tisch - eine warme Mahlzeit am Tag

Das gute und reichhaltige Mittagessen bei eva's Tisch kostet uns insgesamt rund 4,- Euro pro Portion. Davon bezahlen unsere Gäste nur 2,- Euro. Der Rest wird ausschließlich durch Spenden ermöglicht. Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Spende, damit wir die Mahlzeiten bei eva’s Tisch weiterhin so günstig anbieten können. Jede Unterstützung hilft, einem Menschen in Not eine günstige warme Mahlzeit zu ermöglichen.

So kommt das Essen auf den Tisch

Schon weit vor 12 Uhr beginnt das Leben in den Räumen von eva's Tisch. In der Reportage bekommen Sie einen Einblick in die Lebenswelten der Gäste und Mitarbeiter. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.

10.30 Uhr 
Heinz ist der erste an diesem Morgen. Im Großen Saal ist es noch ganz still. eva’s Tisch öffnet um zwölf, jetzt ist es halb elf. Heinz genießt die Ruhe vor dem Trubel. Der 67-Jährige nimmt sich die Zeitung, zieht die abgewetzte braune Jacke aus und setzt sich an seinen Stammplatz gegenüber der Theke. Hier sitzt er jeden Morgen, seit seine Irmgard vor sieben Jahren gestorben ist.

Den Sportteil hat er gerade durch, da ist es mit der Ruhe vorbei. Hinter der Theke klappert Hauswirtschafterin Rosi Wirth mit Tellern und Tassen. „Wie geht’s dir heute, Heinz?", ruft sie zu ihm rüber. „Gut", murmelt Heinz. Sie versteht. Heinz ist heute nicht nach Unterhaltung zumute.

11.30 Uhr

Allmählich füllt sich der Saal. Gegen halb zwölf schwillt die Geräuschkulisse deutlich an. An den langen Tischen sitzen Männer und Frauen in Grüppchen und sind in Gespräche vertieft. Andere bleiben für sich und blicken gedankenverloren vor sich hin. Hannelore lässt den Blick durch den Saal schweifen und winkt zwei Frauen zu. Die drei Damen treffen sich regelmäßig bei eva’s Tisch. „Ich hab nur eine kleine Rente", sagt Hannelore. „Das Geld reicht vorn und hinten nicht." Man sieht Hannelore nicht an, dass sie arm ist. Bluse und Rock sind akkurat gebügelt, die Schuhe glänzen. An der Kleidung spart sie nicht, lieber dreht sie im Winter die Heizung runter.

Karl hat es eilig und stellt sich gleich in der Schlange an. „Dialyse", sagt er. „Um eins muss ich da sein." Er erzählt von früher, als er noch ein bürgerliches Leben hatte – mit Job und Familie. Dann kam der Alkohol. Der Schnaps hat nicht nur seine Ehe ruiniert. Längst ist er trocken. Für seine Nieren ist es zu spät.

11.55 Uhr

Um kurz vor zwölf öffnet Sozialdiakon Peter Meyer die Kasse. Endlich. Ein Teller nach dem anderen wandert über die Theke. Für zwei Euro gibt’s heute Reis mit Rindfleisch, dazu einen gemischten Salat, eine Birne zum Nachtisch. Wasser, Saft oder Fruchtschorle kosten ein paar Cent. „Lang nicht gesehen", begrüßt Peter Meyer einen Gast. Sie verabreden sich für später, um zu reden. „Geht das auch schneller?", ruft eine Frau, vielleicht 40 Jahre alt, die weiter hinten in der Schlange steht. Ihre Haare sind zerzaust, in ihrem Rucksack stecken Schlafsack und Isomatte. Karl dreht sich zu ihr um. „Keine Sorge, Dagi", sagt er und setzt ein verschmitztes Lächeln auf. „Wir sind noch alle satt geworden." Karl kennt hier alle. Und wenn es mal laut wird, dann versucht er zu schlichten.

12.50 Uhr

Fünf vor eins. Die beiden Mitt-Vierziger im Blaumann, die zur Tür rein kommen, sind spät dran. Beide haben Vollzeit-Jobs bei einer Leiharbeitsfirma, erzählen sie später. Beide müssen auf dem Amt mit HartzIV aufstocken. Wenn sie in der Nähe zu tun haben, kommen sie gern zu eva’s Tisch. „Hier schmeckt mir’s", sagt der eine. Und woanders könne er sich ein Mittagessen gar nicht leisten.

13.05 Uhr

Nach dem Essen schaut Hannelore auf die Uhr. „Daisy wartet bestimmt schon auf mich!" Heut Vormittag hat sie ihre Katze zum Tierarzt gebracht. Wieder einmal. Seit zwei Tagen frisst sie nicht mehr. Von Altersschwäche will Hannelore nichts hören. Ohne den Vierbeiner wüsste sie nicht, wofür sie noch jeden Tag aufstehen sollte. „Sie hat sicher nur was am Magen." Ihr Blick sucht in der Runde nach Zustimmung. Ihre Tischnachbarinnen nicken. Hannelore schnappt sie sich ihre Tasche und eilt davon.

13.15 Uhr

Beim Rausgehen schaut Heinz noch schnell auf den Menüplan von morgen. „Och ne, Gulasch", grantelt er. Rosi Wirth weiß ihren Stammgast aufzumuntern. „Zum Nachtisch gibt’s Vanillepudding. Den magst du doch gerne." Ein Lächeln huscht über Heinz‘ Gesicht. Auf einen Kaffee will er noch rübergehen in die Wärmestube, der Tagesstätte gleich nebenan.

Morgen, um halb elf, wird er wieder da sein. Als erster.

Ein Blick hinter die Kulissen