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„Es ist normal, verschieden zu sein…“

eva’s Festtafel beim Gemeindepsychiatrischen Zentrum Freiberg
Es ist normal, verschieden zu sein: So lautete das Motto des Patennachmittags im Gemeindepsychiatrischen Zentrum von eva in Stuttgart-Freiberg am 30. Juni. Eine Firma, die ungenannt bleiben möchte, ermöglichte mit ihrer Spende menschliche Begegnungen, die nicht alltäglich sind. So genannte „Normale“, seelisch Gesunde, trafen Menschen in psychischen Krisen und lernten die Arbeit der Betreuenden kennen. Es war ein Blick in eine Welt, die für Außenstehende meist nicht zugänglich ist – und deshalb für viele unvergesslich bleiben wird. Nachfolgend einige Eindrücke.

Die Gäste begleiteten Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter bei der ambulanten Arbeit. So besuchte Regina Braun vom Gesundheitsamt der Landeshauptstadt zusammen mit der Sozialarbeiterin Doris Haller eine frauenspezifische Wohngruppe in Feuerbach. Ihr Besuch war natürlich angekündigt worden. Beide waren dennoch ziemlich überrascht, dass eine Klientin sie bereits auf den Treppenstufen sitzend vor der Haustür erwartete. Eine andere Klientin lag derweil im Bett und wollte niemanden sehen. Sie hatte keinen guten Tag. Eine andere erhielt gerade Besuch von ihrer Tochter. Gemeinsam saßen alle bei einer Tasse Kaffee zusammen. Doris Haller erzählte nachher: „Die haben sich echt gefreut.“ Und Regina Braun meinte anschließend: „Es ist eine phantastische Idee, dass es Menschen gibt, die mit den Betroffenen arbeiten und ihnen zeigen: Wir nehmen dich so an, wie du bist.“

Eine andere Gruppe, der eva-Vorstand Johannes Stasing angehörte, besuchte einen Klienten, der zurzeit im Bürgerhospital stationär behandelt wird. Stasing fiel angenehm auf, wie gut man mit dem Patienten reden konnte, obwohl dieser unter dem Einfluss von Medikamenten stand. Mit dabei war auch Hildegard Voll vom Vorstand der „Aktion Weihnachtsmann + Co“. Auch Sie meinte: „Für mich machte der Mann im Bürgerhospital einen fast normalen Eindruck.“ Sie war erstaunt über die genauen Fußballkenntnisse des Mannes. In dieser Hinsicht erschien er ihr als Phänomen. Stasing stimmte mit ihr überein und gab zu bedenken: „Es gibt Menschen, die nur scheinbar gesund sind.“

27 Jahre lang hat der pensionierte Oberstudiendirektor Werner Kast das Evangelische Heidehof-Gymnasium in Stuttgart geleitet. Nach einem Hausbesuch an diesem Nachmittag stellte er nachdenklich fest, dass ihm Menschen in einer solchen Lebenssituation nie zuvor begegnet seien. Betroffen machte ihn, dass ein eva-Betreuer offensichtlich der einzige Ansprechpartner für einen bestimmten Klienten sei. „Ich gehe mit großen Eindrücken“, schloss er seinen Bericht in der anschließenden Gesprächsrunde.

Ein weiterer Gast an eva’s Festtafel war Bernd Löffler, der stellvertretende Bezirksvorsteher von Stuttgart-Mühlhausen. Dort ist er auch für die Sozialhilfe zuständig. Auf dem Dienstweg habe er häufig mit dem Gemeindepsychiatrischen Zentrum von eva zu tun, berichtete er. An diesem Nachmittag habe er einen psychisch kranken Mann persönlich getroffen, dessen Namen er seit vielen Jahren nur aus den Akten kenne. Deshalb meinte er: „Der heutige Tag war für mich eine absolute Bereicherung.“ An Prof. Jürgen Armbruster gerichtet, den Abteilungsleiter der Dienste für seelische Gesundheit, fügte er hinzu: „Seit heute weiß ich, wie Ihre Arbeit in der Praxis aussieht.“

Jörg Klaski, Leiter des Geschäftsbereichs Service der AOK Stuttgart, war ebenfalls unter den Gästen. „Wir sehen ja nur das Geld“, erklärte er und verwies darauf, dass die Leistungen im sozialpsychiatrischen Bereich von verschiedenen Trägern kommen. Heute habe er von den Hausbesuchen viele Eindrücke mitgenommen. Am meisten wunderte er sich über den unterschiedlichen Ordnungssinn der Klienten. „Ich habe alles gesehen: Von ,hier kannst Du vom Boden essen’ bis hin zur völligen Unordnung.“

An eva’s Festtafel wurde über die Eindrücke des Patennachmittages noch eifrig diskutiert. Mit am Tisch saßen Gäste des Tagescafés. Gabriele Rein vom Gemeindepsychiatrischen Zentrum stellte klar: „Wir haben die Aufgabe, diese Menschen aus ihren Krisen herauszubringen.“

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