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Starke Gefühle: Heimweh

Unterrichtsbausteine zu schatten und licht, Heft 4/2014 

von Jürgen Jacob Hudelmayer

Heimweh – wer kennt das nicht? Fast jeder Mensch wird zustimmen, dass das ein starkes Gefühl ist. Gerne platzieren wir dieses Gefühl in Bereichen, in denen wir uns gerade nicht aufhalten: Kindheit, Ausländer… Am besten, das haben andere, denn es kann schon verdammt weh tun. Lieber nehmen wir das Gefühl in Filmen wahr, wo man dann so herrlich mitleiden kann.

Aber Heimweh gehört zu jedem Leben, denn in jedem Leben fehlt es immer wieder an Heimat. Wir sind nun mal keine Einzelwesen, die ganz autonom durch das leere Weltall fliegen und sagen „ich bin ich“, sondern wir sind Gemeinschaftswesen, wir brauchen Zugehörigkeit. Schon in Genesis 2 wird beschrieben, dass der Mensch nicht als Einzelner „funktioniert“, ja gar nicht leben kann, sondern erst, wenn er ein Gegenüber hat. „Erst am Du wird der Mensch zum Ich“ formuliert Martin Buber. Wir Menschen sind auf eine Umwelt hin geschaffen, zu der wir uns verhalten (am besten bebauend und bewahrend). Wir Menschen entwickeln Identität stark als soziale Identität. Das nenne ich dann im erweiterten Sinne Heimat. Das ist freilich mehr und zum Teil auch etwas anderes als das, was ein Heimatverein oder gar der Heimatschutz in den USA darunter verstehen.

Die Sehnsucht nach Heimat ist uns quasi angeboren. Wir brauchen vor allem Menschen, aber auch Orte, Zusammenhänge, die uns vertraut sind und zu denen wir gehören. Wir brauchen Menschen, mit denen wir Leidenschaften, Überzeugungen oder Lebenssituationen teilen. Alle Bezüge und Beziehungen sind aber vorläufig, veränderlich und vergänglich. Jedes (irdische) Du ist unsicher und deshalb gehört Heimweh zu jedem Leben.

Diese (wenn auch vorläufige) soziale Identität zu finden bzw. zu „erzeugen“ ist sicher eine starke Triebfeder für alles, was im weitesten Sinne Kultur bedeutet. Und daher sind auch bestimmte kulturelle Formen für uns wiederum Heimat. Weil wir unterschiedlich aufwachsen und geprägt sind, bedeutet Heimat auch nicht für alle dasselbe. Davon können Menschen mit Migrationshintergrund ein Lied singen. Sie sind eben in der Fremde. Die Sprache, viele Sitten und Bräuche, so vieles ist hier anders. Für diese Menschen setzen sich die beiden hier vorgestellten Projekte der eva ein.

Nicht zufällig geschieht das an Weihnachten besonders stark bzw. mit einem besonderen Akzent. Denn in unserem Alltag kommt die Pflege dessen, was Heimat gibt, oft zu kurz. Auf vieles müssen wir verzichten oder meinen mitunter auch nur, wir müssten darauf verzichten. Aber an Weihnachten, da ….! Ja da wird dann die ganze große Kiste der sonst eher weggeschlossenen Bedürfnisse und Sehnsüchte nach Zugehörigkeit, Vertrautheit, Zusammengehörigkeit, eben Heimat, ganz weit aufgemacht. Was aber nicht bedeutet, dass alle Menschen an Weihnachten dann auch ihren großen Hunger und ihre Sehnsüchte gestillt bekommen. Für viele(s) gibt es keine Lösungen (kein Geld für den Heimflug, Partner/in tot oder Partnerschaft zerstört, Kinder weg, Fremdheit in der Sprache…), schon gar keine schnellen. Kommerzielle Angebote als Pseudolösung für die Erfüllung dieser Heimatssehnsüchte werden massenweise verführerisch angeboten. Als ob man Heimweh mit Geld heilen könnte. Was das ganze Jahr über wenig beachtet und unerfüllt blieb, dafür kann nicht plötzlich eine tolle Lösung wachsen.

Das Bedürfnis nach Heimat und die Sehnsucht danach kennt die Bibel gut. Auch die Erfahrung der Fremde und Fremdheit. Das Volk Israel hat wie kein anderes diese Erfahrungen gemacht (Sklaverei, Exil, mehr als 1800 Jahre Diaspora) und einige davon sind Teil der biblischen Überlieferungen geworden. Psalm 137 singt ein trauriges Lied davon, wie es ist, wenn man nicht in der Heimat ist und all die vertrauten Orte, den Tempel, die Instrumente und Rituale hat, die einem Heimat geben.

Die Erfahrung Abrahams und des ganzen Volkes Israel, Fremdling gewesen zu sein, ist Grundlage des jüdischen Glaubens: Sie ist einleitende Begründung für die 10 Gebote und schlägt sich in vielen Geboten zu den Fremdlingen nieder (z.B. Lev 19,33): Fremdlinge unter euch sollen nicht so leben müssen, wie wir es erfahren mussten als Fremdlinge.

Im Hebräerbrief wird ganz grundsätzlich bilanziert, dass wir (als wanderndes Gottesvolk) hier keine bleibende Stadt haben. Alle soziale Identität ist instabil, vergänglich, nur vorläufig. Deshalb gehören die Suche nach Heimat und Heimweh immer zu unserem Leben.

Das Wertvolle am Heimweh ist, dass es eine starke Kraft ist. Diese treibt uns immer wieder an, Sinn und Zusammenhang, Zugehörigkeit und Halt, gemeinschaftliche Formen und Rituale zu suchen, um in aller Vorläufigkeit Heimat zu suchen und entstehen zu lassen. Mir scheint, dass dem Glauben an das Reich Gottes auch ein gewisses Heimweh immanent ist. Es ist ein Heimweh nach einer zukünftigen Heimat, worin noch niemand war (vgl. Ernst Bloch, Das Prinzip Hoffnung, Bd. 3, FfM 1973, S. 1628).

„Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hebr. 13,14): In der biblischen Hoffnung gehören Heimweh und die Sehnsucht nach Heimat zu unserer irdischen Existenz. Zur christliche Existenz in dieser Welt gehört ein Leben lang die Aufgabe, die momentane Heimat zu pflegen und schätzen, sie mit anderen und für andere zu gestalten, sie aber nicht festzuhalten, sondern Identität und Zugehörigkeit im Wandel zu bewahren. Martin Buber formuliert Gotteserfahrung so, dass der Mensch in jedem Du auch dem „ewigen Du“ begegnet. So kann in jedem Menschen auch ein kleines Stück Heimat wachsen, das mitten im Leben und am Ende des Lebens nicht zerbricht, sondern trägt.

Zielgruppe der Unterrichts-Bausteine sind Schülerinnen/Schüler und Konfirmandinnen/Konfirmanden der Klassen 7 bis 9. Die Entwürfe sind auf den baden-württembergischen Lehrplan für den Religionsunterricht abgestimmt.

Im Unterrichtsentwurf finden Sie einen allgemeinen Überblick zum Vorgehen sowie die Bausteine für den Unterricht:
Unterrichtsentwurf schatten und licht 4/2014

Hier finden Sie die Materialien für die Schüler als PDF-Dateien:
M1 Arbeitsaufgaben Kleingruppe 1 - Migrantenfamilien
M2 Arbeitsaufgaben Kleingruppe 2 - Die Arbeit von ProMi der eva
M3 Sachbericht 2013 Migrationsberatung
M4 Auszüge aus dem Pressegespräch 2013 zur Arbeit von ProMi

Einen Klassensatz des Heftes 4/2014 können Sie bei der rechts angegebenen Adresse bestellen, solange der Vorrat reicht, oder Sie laden sich das Heft hier als PDF herunter:
schatten und licht 4/2014