Kooperation mit Glücksspiel-Anbietern: Der Spielsucht vorbeugen

Eine Suchtberatung kooperiert mit den Anbietern von Glücksspielen, die doch Sucht auslösen können? Das klingt zunächst irritierend. Doch die Fachstelle Glücksspiel und Medienkonsum der eva tut genau das. Ziel ist, Glücksspielsucht vorzubeugen und, falls es dafür zu spät ist, diese zu behandeln. Sie sieht die Unternehmen grundsätzlich nicht als Gegner, sondern als Vertragspartner, mit denen sie kooperiert. Für die Zusammenarbeit stellt die Fachstelle sicher, dass diese dazu dient, Spielerschutz-Maßnahmen zu entwickeln.
Grundsätzlich laufen die Interessen von Glücksspiel-Anbietern und der eva auseinander: Die Anbieter von Glücksspiel sind am Gewinn orientiert, die eva bietet Prävention an und berät sowie behandelt von Glücksspielsucht Betroffene. Trotzdem gibt es mit einigen staatlichen und privaten Anbietern gemeinsame Interessen beim Spielerschutz. Und zwar dann, wenn diese Anbieter Verantwortung übernehmen für die Risiken, die ihr Angebot haben kann. Zu dieser Verantwortung gehört auch, dass diese Glücksspielunternehmen Suchtrisiken vorbeugen, von Spielsucht betroffene Menschen vom Spiel fernhalten und diesen Hilfsangebote vermitteln. Zu welchen Bedingungen die Fachstelle Glücksspiel und Medienkonsum kooperiert, steht in dem Positionspapier „Ethische Standpunkte für die Kooperation mit Unternehmen der Glücksspiel-Anbieter“.
Glücksspielangebot muss eingeschränkt werden
Zum einen kooperieren wir mit Glücksspiel-Anbietern. Zum anderen setzen wir uns dafür ein, dass wirksame gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die das Glücksspielangebot einschränken und regulieren.
Beide Maßnahmen schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich. Denn auch die Spielsuchtprävention in Unternehmen nützt den Betroffenen: Die möglichen schädlichen und bedrohlichen Folgen des Glücksspiels können dadurch direkt in den Spielorten wahrgenommen und angegangen werden.
Dazu kommt: Alle Erträge, die wir aus der Kooperation mit Glücksspiel-Anbietern erwirtschaften, setzen wir dafür ein, unser Hilfsangebot für suchtkranke Menschen und deren Angehörige besser auszustatten und auszuweiten.
Problematisches Spielverhalten früh erkennen
Bei der Kooperation mit Glücksspiel-Anbietern entwickeln wir Spielerschutzmaßnahmen sowie Sozialkonzepte und setzen diese um. Dafür wenden wir uns zum einen direkt an die Gäste von Glücksspiel-Anbietern: Wir klären diese über Suchtgefahren auf und unterstützen Problemspieler dabei, Zugang zum Hilfesystem der ambulanten und stationären Suchthilfe zu finden. Zum zweiten fördern wir Mitarbeitende von Glücksspiel-Anbietern dabei, problematisches Spielverhalten frühzeitig zu erkennen. Wir schulen sie, wie sie solche Gäste ansprechen können, um sie auf Hilfsmöglichkeiten aufmerksam zu machen. Dafür haben wir Schulungs-Konzepte entwickelt, zum Beispiel für das Personal von Lotto-Annahmestellen oder der baden-württembergischen Spielbanken. Dieses Personal schulen und qualifizieren wir ständig.
Sozialkonzepte entwickeln und überprüfen
Neben den direkten Hilfen für Spieler und Personal begleiten wir Unternehmen dabei, umfassende und nachhaltige Sozialkonzepte zu entwickeln. Dazu gehört auch die Evaluation, also das Überprüfen der Ergebnisse, in Kooperation mit wissenschaftlichen Institutionen wie der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim. Für bestimmte Firmen bieten wir ein spezifisches Hilfe-Akutsystem an, beispielsweise über eine telefonische Hotline oder über Beratungsangebote an Spielbankstandorten.
Öffentlichkeitsarbeit und Austausch
Wichtige Bausteine der Prävention sind die Öffentlichkeitsarbeit und das Vernetzen der unterschiedlichen Interessengruppen. Dazu organisieren wir – auch im Auftrag der Stadt Stuttgart – einen Runden Tisch Glücksspiel. Daneben führen wir eigene Veranstaltungen durch, häufig in Kooperation mit der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim.
Wir bieten uns der Politik als Gesprächspartner dafür an, gesetzliche Rahmenbedingungen für das Glücksspiel zu entwickeln. Wir organisieren in Werkstattgesprächen den Austausch zwischen psychosozialen Diensten oder Forschungs-Institutionen, die mit Glücksspiel-Anbietern kooperieren. Und wir bieten einen Qualitätszirkel an für Kolleginnen und Kollegen der Suchtkrankenhilfe.
Kooperationspartner
Die Fachstelle Glücksspiel und Medienkonsum der eva hat im Moment auf der Seite der Glücksspiel-Anbieter drei Kooperationspartner: Die Spielbanken Baden-Württemberg, mit denen wir seit 1999 kooperieren. Die Baden-Württembergische Lottogesellschaft, mit der seit 2006 eine regelmäßige Kooperation besteht. Sowie seit kurzem ein Unternehmen der Automatenbranche, die Schmidtgruppe. Dieses Unternehmen führt seit einigen Jahren Spielerschutzmaßnahmen durch. Hintergrund ist das Gesetzgebungsverfahren zum Spielerschutz, das zur Zeit (Stand April 2012) läuft.



