Angebote für... > Menschen in Armut und Wohnungsnot > Offene Angebote für ausgegrenzte Menschen > Kontaktbüro in Fürsorge-Unterkünften Balthasar-Neumann-Straße
Kontaktbüro als Weg aus der sozialen Isolation
Menschen, die in städtischen Fürsorgeunterkünften untergebracht sind, sind häufig sozial isoliert und haben wenig Perspektiven. Hier leben Menschen, die ihre Wohnung durch Zwangsräumung verloren haben. Um die Situation der Bewohner zu verbessern, betreibt die eva zwei Kontaktbüros, eines davon in der Balthasar-Neumann-Straße in Stuttgart-Freiberg. In 64 Fürsorgeunterkünften leben hier 240 Bewohnerinnen und Bewohner, die mehr als zehn Nationalitäten angehören. Fast die Hälfte von ihnen ist jünger als 18 Jahre. Viele sprechen nur unzureichend Deutsch. Verständigungsprobleme, Vereinsamung und Ausgrenzung sind die Folge. Viele Familien haben keine Anbindung an den Stadtteil und verbringen ihre Freizeit fast ausschließlich zu Hause.
Das Kontaktbüro dient als Anlaufstelle für die Bewohner und ist an vier Tagen in der Woche geöffnet, dazu zählt auch der Samstag. Ziel ist es, die Familien aus ihrer sozialen Isolation zu holen und sie individuell zu unterstützen. Gemeinsam mit der pädagogischen Fachkraft der eva, Gabriele Müller, gestalten die Bewohnerinnen und Bewohner das Wochenprogramm selbst. Je nach Bedarf können das Spiele, Fahrradreparaturen, Geburtstagsfeiern und vieles mehr sein.
Zu den festen Angeboten des Kontaktbüros gehört die Hausaufgabenbetreuung für die Kinder aus dem Quartier. Außerdem gibt es an drei Tagen in der Woche einen Mittagstisch mit gesunden Mahlzeiten. Das Essen kochen Frauen aus der Balthasar-Neumann-Straße selbst und versorgen so im Schnitt 15 Kinder und sechs Erwachsene. In der Tauschbörse können sich die Bewohner zudem mit Haushaltsartikeln, Spielzeug, Büchern und Kleidung eindecken. Sie bekommen die Sachen aber nicht geschenkt, sondern tauschen sie gegen andere Gegenstände oder Dienstleistungen. So können sich die Bewohner zum Beispiel etwas Benötigtes "erarbeiten", indem sie beim Mittagstisch helfen oder Müll auf der Straße einsammeln. Auf diese Weise werden die Bewohnerinnen und Bewohner in die Verantwortung genommen und als vollwertige Menschen behandelt, die etwas zu geben haben. Dabei erleichtert es ihnen die Tauschbörse zugleich, Kontakt untereinander aufzunehmen und Hemmschwellen zu überwinden. Dazu dient auch das monatliche Angebot "Stuttgart in Bewegung": Jeden ersten Samstag im Monat sind die Bewohner der Fürsorgeunterkünfte, die Besucher des Stadtteiltreffs Oase sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger eingeladen, gemeinsam einen kleinen Teil Stuttgarts zu erkunden.
In einem Projekt werden "Freiberger Unikate" hergestellt. Das sind Taschen, Prospekthüllen, Schlampermäppchen und Stifteköcher, die aus Altpapier entstehen. Die Unikate haben ein sehr ansprechendes Dekor und werden zu Preisen zwischen 2,50 bis 7,50 Euro verkauft. Die Frauen, die hierbei mitarbeiten, erhalten von der eva einen Ehrenamtsvertrag. Die Freiberger Unikate können auf verschiedene Arten erworben werden: Die meisten werden sie kaufen, andere können sie gegen das nötige „Rohmaterial“ eintauschen, Bewohner der Fürsorgeunterkünfte können durch Mithilfe, etwa beim Müllsammeln, eine Gegenleistung erbringen. Das Kontaktbüro nimmt auch gerne Aufträge in kleinerer Stückzahl entgegen.
Das Kontaktbüro versteht sich als Ort der nachbarschaftlichen Begegnung und Hilfe. Es trägt dazu bei, Konflikte im Quartier zu verringern. Viele Bewohner sehen es als "ihre Einrichtung" an, für die sie sich regelmäßig engagieren. Unterstützung bekommt das Kontaktbüro auch von Bürgerinnen und Bürgern aus dem Stadtteil sowie vom Freiberger Bürgerverein.
Die Redaktion von kirchenfernsehen.de stellt das Projekt "Freiberger Unikate" und das Kontaktbüro in einem Film vor. Den Beitrag können Sie sich hier ansehen.
Die Leiterin des Kontaktbüros, Gabriele Müller, war zudem als Expertin in der Sendung "Alpha & Omega" zu Gast. Die Sendung unter dem Titel "Endstation Fürsorgeunterkunft?" können Sie sich hier ansehen.
Gabriele Müller
Balthasar-Neumann-Str. 93
70437 Stuttgart
Tel. 0151 40 65 48 23





