Neues Projekt gibt Schulabbrechern wieder eine Perspektive
eva und Johanniterorden gründen gemeinsam das ''Haus der Lebenschance''
Jung und ohne Schulabschluss - die 20-jährige Jennifer hat wenig Perspektiven. Sie hat die Hauptschule nicht beendet und mehrere Jahre im Heim und auf der Straße gelebt. Ein neues Projekt macht ihr wieder Hoffnung: das "Haus der Lebenschance", das die Evangelische Gesellschaft Stuttgart (eva) und die Baden-Württembergische Kommende des Johanniterordens jetzt gegründet haben. Elf junge Menschen machen hier ihren Schulabschluss nach. Unterstützt werden sie dabei von erfahrenen Fachkräften der Jugendarbeit und ehrenamtlichen Paten. Soweit die Initiatoren wissen, ist das neue Projekt bundesweit einmalig: Es wird ausschließlich über Spendengelder finanziert und die Teilnahme ist freiwillig.
"Haus der Lebenschance" - der Name ist Programm. Das Projekt will jungen Schulabbrechern zwischen 15 und 25 Jahren ohne berufliche Perspektive wieder eine Chance geben. Daher ist es das Ziel, dass jeder Teilnehmer seinen Schulabschluss erfolgreich nachholt und einen Ausbildungsplatz findet. Aber auch die persönliche Entwicklung und soziale Kompetenzen werden gefördert. Die Jugendlichen lernen, im Team zu arbeiten, Konflikte zu lösen und Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen.
Freiwilligkeit ist ein wichtiges Prinzip des Projekts
Damit dies gelingt, ist die Freiwilligkeit ein wichtiges Prinzip: Jeder, der teilnehmen möchte, muss sich bewerben. In einem "Vorstellungsgespräch" kann er zeigen, dass er motiviert ist. Insgesamt stehen zehn Plätze zur Verfügung. Wer ins "Haus der Lebenschance" aufgenommen wird, schließt mit den Mitarbeitenden eine Vereinbarung ab. In einem Förderplan werden für jeden Teilnehmer individuelle Ziele festgehalten, die in Einzelgesprächen regelmäßig besprochen werden.
An fünf Tagen in der Woche kommen die jungen Menschen von 9 bis 16 Uhr ins Haus der Lebenschance. Dort werden sie durch Honorarlehrkräfte in den prüfungsrelevanten Fächern unterrichtet. Daneben gibt es viele Projekte, in denen die Jugendlichen ihre kreativen und sportlichen Fähigkeiten ausprobieren können: Fotoseminare, Yoga, Klettern, Malkurse, Theaterbesuche und vieles mehr. Jeder Tag hat eine feste Struktur, die den Jugendlichen Halt und Orientierung gibt.
Ehrenamtliche Paten stehen mit Rat und Tat zur Seite
Dabei helfen ihnen auch die ehrenamtlichen Paten. Sie stehen den jungen Menschen mit Rat und Tat zur Seite, zum Beispiel bei den Hausaufgaben, aber auch bei der Freizeitgestaltung oder persönlichen Problemen. Auf ihre Aufgabe werden die Paten mit einer Schulung vorbereitet. Viele von ihnen sind Ruheständler und wollen ihre Berufs- und Lebenserfahrung sinnvoll einsetzen.
Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt und endet Mitte 2012. Die Teilnahme ist für die Jugendlichen kostenlos. Sie erhalten daneben ein Taschengeld von 100 Euro im Monat. Die eva und der Johanniterorden finanzieren das Projekt gemeinsam über Spenden. Die operative Sozialarbeit übernimmt die eva, der Johanniterorden stellt die ehrenamtlichen Paten.
Für Jennifer hat sich die Teilnahme am Projekt schon jetzt gelohnt. Sie hat wieder Spaß am Lernen und ein klares Ziel vor Augen: Nach dem Hauptschulabschluss möchte sie eine Bäckerlehre beginnen.
Das Regional-Fernsehen Regio.TV hat über das Haus der Lebenschance einen Nachrichtenbeitrag gedreht. Den Film können Sie sich hier ansehen.
Ein weiterer Filmbeitrag stellt die Teilnehmerin Jenny vor, die im Haus der Lebenschance ihren Hauptschulabschluss nachholt. Das Porträt von kirchenfernsehen.de, dem Internetfernsehen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, finden Sie hier.






