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  1. Anfahrt zur Zentrale
  2. Geschichte
    1. Lebensweg Christoph Ulrich Hahn
    2. Gerhard Raff über Christoph Ulrich Hahn
    3. Stationen der Geschichte
    4. 175 Jahre jung - Artikel aus dem Ev. Gemeindeblatt
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eva ist... > Geschichte

Immer wieder diakonische Standards gesetzt

Mit einem Leserbrief im Jahr 1830 fängt alles an: Der noch nicht fünfundzwanzigjährige Esslinger Vikar Christoph Ulrich Hahn „erlaubt sich, seinen verehrten Mitlesern der Evangelischen Kirchenzeitung die Errichtung einer Gesellschaft zur Ausbreitung kleiner religiöser Schriften in Vorschlag zu bringen“. Er trifft den Nerv der Zeit. Esslinger Bürger und Pfarrer nehmen die Initiative auf. Die Verbreitung evangelischer Erbauungsliteratur wird zentrale Aufgabe der jungen Gesellschaft, die bald auch das Wochenblatt „Altes und Neues aus dem Reiche Gottes“ herausgibt, eine Leihbibliothek betreibt und sich um die Weitergabe von Spenden an Bedürftige kümmert.

1833 sind bereits 39.000 Traktate verteilt, zwanzig Jahre später über zwei Millionen. 1835 siedelt die Gesellschaft nach Stuttgart über. 1846 wird ein erster so genannter Kolporteur angestellt, der über Land reist und Bibeln und evangelisches Schrifttum vertreibt.

Besuchsdienst bei den Armen

1848 gibt Johann Hinrich Wichern auf dem Wittenberger Kirchentag den Anstoß zur Inneren Mission. Im Jahr darauf ist er in Stuttgart zu Gast. Seine Anregungen fallen auf fruchtbaren Boden: Die Evangelische Gesellschaft richtet einen Besuchsdienst bei den Armen der Stadt ein. Stadtmissionare kümmern sich um Strafgefangene und die stetig wachsende Zahl der Industriearbeiterinnen und –arbeiter. Sie führen seelsorgerliche Gespräche und leisten praktische Unterstützung.

1858 erwirbt die Gesellschaft ihre erste Immobilie in der Färberstraße. Sie errichtet einen Saal für Vorträge und Erbauungsveranstaltungen. 1874 gründet sie die Buchhandlung samt Verlag, beide eine Haupteinnahmequelle der nächsten Jahrzehnte. Im Jubiläumsjahr 1880 stehen elf Kolporteure, drei Stadtmissionare, ein Sekretär, ein Geschäftsführer und Kassier und drei Büroangestellte in Diensten der eva.

1903 kauft die Gesellschaft ein Grundstück in der Büchsenstraße 36. Hier baut sie ihr erstes Wohnheim für Mädchen, das Charlottenheim. 1905 erscheint erstmals das ‚Evangelische Gemeindeblatt für Stuttgart’, heute das ‚Evangelische Gemeindeblatt für Württemberg’.

Hilfen für Prostituierte

Die Not der Kriegsjahre 1914 bis 1918 stellt die Stadtmission vor große Herausforderungen: Die hungernde Bevölkerung wird mit Naturalien versorgt. Das hundertjährige Jubiläum 1930 fällt in eine unruhige Zeit. Arbeitslosigkeit stürzt viele Familien ins Elend. Seit 1926 betreibt die Gesellschaft den Margaretenhort als Übergangswohnheim für Mädchen, drei Jahre später kommt die Burg Reichenberg als Auffangstelle für Prostituierte hinzu. Seit 1932 ist die Mitternachtsmission Anlaufpunkt im Rotlichtviertel.

Bekenntnispredigten im Kirchenkampf

Den Regierungsantritt der Nationalsozialisten registriert man in der Evangelischen Gesellschaft zunächst hoffnungsvoll, weil die Arbeitslosigkeit überraschend schnell sinkt. Doch bereits im Sommer 1933 zeigt die neue Regierung ihr wahres Gesicht: Besuche in den Gefängnissen werden untersagt, die Kolporteure erhalten keine Gewerbebescheinigungen mehr, die Stadtmission wird als ‚reichsfeindliche Organisation’ eingestuft. Während des Kirchenkampfes veröffentlicht der Verlag die Bekenntnispredigten von Bischof Wurm. 1939 wird die Spenderzeitschrift schatten und licht verboten. Auch der Vertrieb des Gemeindeblattes wird zunehmend behindert. 1941 muss es sein Erscheinen einstellen. Im Bombenkrieg verliert die Gesellschaft alle Heime und Häuser.

Das Kriegsende bringt eine Vielzahl neuer Aufgaben. Die eva betreibt die Hilfsstelle für Rasseverfolgte. Bei der Stadtmission suchen Obdachlose, Durchreisende, Flüchtlinge und Heimkehrer Rat und Hilfe. Luftschutzbunker werden zu Männerwohnheimen umfunktioniert. Bald beginnt der Wiederaufbau der zerstörten Häuser und Heime. Imposantestes Beispiel ist das Männerwohnheim in Stuttgart-Rot (heute Immanuel-Grözinger-Haus), das 1966 eröffnet wird und mit 154 Zimmern auf dreizehn Stockwerken die Bunkerunterkünfte überflüssig macht.

Vielzahl innovativer Projekte

Die Entwicklung der nächsten Jahre ist rasant. Pfarrer Otto Kehr, der Gesamtleiter von 1959 bis 1981, notiert rückblickend: „Mit dem Ende der 50er und dem Beginn der 60er Jahre setzte ein tiefer Wandel der Gestaltung von Sozialhilfe und Diakonie ein.“ Die Betreuungsdiakonie der drei S – Seife, Suppe, Seele – wird in eine Befähigungsdiakonie überführt, die sich am Grundsatz Hilfe zur Selbsthilfe orientiert. Beratung und Begleitung rücken in den Mittelpunkt diakonischer Arbeit. Die eva wagt eine Vielzahl innovativer Projekte.

Am 2. Mai 1960 nimmt die Telefonseelsorge ihren Dienst auf, 1963 folgt der Ausländerdienst, der sich bis heute zum Internationalen Beratungszentrum entwickelt hat. 1970 gründet die eva die bundesweit erste Gesellschaft für Mobile Jugendarbeit, 1975 folgt die bundesweit erste Jugendtagesgruppe im Flattichhaus. 1977 eröffnet die eva die erste Schwangerschaftsberatung der Diakonie in Württemberg, 1978 gründet sie gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Württemberg den Arbeitshilfeträger Neue Arbeit. 1981 starten die Dienste für seelische Gesundheit, 1986 entsteht die bundesweit erste Aidsberatung in diakonischer Trägerschaft, 1987 die Schuldnerberatung (gemeinsam mit Stadt und Caritas), 1989 die Alzheimerberatung, 1994 der Schlupfwinkel für Straßenkinder, 1997 die Sozialräumlichen Erziehungshilfen in Stuttgart-Nord. 1999 startet die eva das Bundesmodellprojekt Vierte Lebensphase. 2001 wird das Gradmann Haus eröffnet, das bundesweit erste Zentrum für Demenzerkrankte. Vom gleichen Jahr an eröffnet das (gemeinsam mit Evangelischem Schuldekanat Tübingen und der Agentur Mehrwert gegründete) baden-württembergische Pilotprojekt Schule und Diakonie Lehrern Einblicke in die soziale Arbeit. Zwischen 1998 und 2003 nehmen die Projekte JobConnections, One Day Job und future für junge Menschen ohne Arbeit ihre Beratungstätigkeit auf.

Heute besteht die Evangelische Gesellschaft aus rund 90 Diensten mit etwa 1.000 hauptamtlichen und weit über 600 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Das Biographisch-Bibliographische Kirchenlexikon über Christoph Ulrich Hahn.