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175 Jahre jung
Mit freundlicher Genehmigung des Evangelischen Gemeindeblatts für Württemberg, Ausgabe vom 8. Mai 2005.
Stuttgart – Sie pflegt, erzieht, berät, schafft Arbeit, Unterkunft. Sie kümmert sich um Straßenkinder, Alkoholkranke, Wohnungslose, Kranke, Alte und Migranten – und das seit 175 Jahren. So alt wird die Evangelische Gesellschaft Stuttgart in diesem Jahr.
Begonnen hat alles ganz anders: Christoph-Ulrich Hahn, 1805 geboren und 1830 Vikar in Esslingen, rief zur Gründung einer „Gesellschaft zur Ausbreitung kleiner religiöser Schriften“ auf. Damit, sagt Heinz Gerstlauer, heute Vorstandsvorsitzender der 800 Mitarbeiter zählenden diakonischen Einrichtung, hat Hahn den Nerv der Zeit nach den napoleonischen Kriegen getroffen. Zu Verbreitung von „Traktaten“, wie man das damals nannte, kam bald eine große Bibliothek in Stuttgart hinzu. Wandernde Händler boten christliche Bücher in ganz Württemberg zum Kauf an.
Mit dem Einstieg in die Betreuung von Strafgefangenen fing die Sozialarbeit an. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand ein Schwerpunkt in der Arbeitsbeschaffung für Heimkehrer, Flüchtlinge und Jugendliche.
Eine nachhaltige Veränderung erlebte die Evangelische Gesellschaft, so ihr Vorstandsvorsitzender, in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Gesellschaft wandelte ihre Arbeit von der „Betreuungsdiakonie“ zur „Befähigungsdiakonie“. Seitdem entstanden eine ganze Reihe neuer Dienste. 1960 nahm die evangelische Telefonseelsorge in Stuttgart ihren Dienst auf, in den 70er Jahren entstanden die „Gesellschaften für mobile Jugendarbeit“ in Stuttgarter Stadtteilen. Die bis dahin traditionelle Arbeit in Kinderheimen wurde geöffnet und nach und nach völlig in ambulante Dienste überführt. Die Dienste für seelische Gesundheit waren bundesweit führend an der Entstehung der „Ambulanten Sozialpsychiatrie“ beteiligt.1986 öffnete die erste deutsche Aids-Beratungsstelle im Bereich der Kirchen. Lange vor der öffentlichen Diskussion um Demenzerkrankungen entstand in der Evangelischen Gesellschaft eine Alzheimer-Beratungsstelle und das Modellprojekt Gradmann-Haus, ein Pflegeheim für Demenzkranke. Mit dem 1999 gegründeten Bundesmodell „Vierte Lebensphase“ hat sich die Gesellschaft weiter in der schon zuvor ausgebauten Altenhilfe engagiert.
Hinzu kommen eine ganze Reihe von Tochtergesellschaften. Dazu gehört unter anderem die „Neue Arbeit Stuttgart“.
Ernst Wahl




