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DaimlerChrysler-Manager als Partner bei der Erziehung


Centerleiter informieren sich über die Hilfen zur Erziehung in der Innenstadt
Viele Haustüren ergeben die Visitenkarten eines Stadtviertels. Im Stuttgarter Bohnenviertel gibt es davon sehr unterschiedliche. Manche sind von eleganten Jugendstilfassaden umgeben, andere sind beschädigt und erzählen von Aggression. Am Rande des Viertels, in der Esslinger Straße, nahe dem Charlottenplatz, haben die sozialpädagogischen Fachkräfte von eva ihre Dienststelle „Hilfen zur Erziehung (HzE) Mitte-Nord.“ Von hier aus schreiten sie über manche Schwelle. Wenn sie eine Türe öffnen, wissen sie oft nicht, was sie erwartet. Selten sind es harmonische Familienverhältnisse. Ihre Hilfen an diesem sozialen Brennpunkt der Stadt werden dankbar angenommen.

Die freundlichen, interessierten Besucher, die am 15. September in die Beratungsstelle kommen, sind allesamt leitende Mitarbeiter des DaimlerChrysler Werkes Untertürkheim. Sie sind verantwortlich für die Produktion der Motoren, Getriebe und Achsen für die Fahrzeugtypen mit dem „guten Stern auf allen Straßen“. Die Centerleiter haben im Jubiläumsjahr von eva die Patenschaft für die HzE unter dem Motto „Partner bei der Erziehung“ übernommen. Personalleiter Rudolf Streppel erläutert: „Alle, die wir hier stehen, leben in einer anderen, beschützten Welt und haben unsere dienstbaren Geister…“ Die Mitarbeitenden der Hilfen zur Erziehung nutzen die Gelegenheit, ausführlich über ihre Arbeit zu berichten. Die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen aus dem Klientenbereich beteiligen sich daran eindrucksvoll. Collagen und Texte geben Einblick in ihr Seelenleben. „In unserer Wohnung ist nicht viel los“, erläutert eine Zehnjährige ihre Zeichnung. Andere Bilder sprechen von Vereinsamung, Depression oder lassen zweifelsfrei erkennen, dass Armut Spannungen schafft.

Kindliche Unbeschwertheit löst heitere Stimmung aus. Die acht- bis zwölfjährigen Kids aus der Kindergruppe Camino präsentieren sich den Paten aus der Großindustrie in einem Film als Rapper, die im Leonhardsviertel einen verlorenen Koffer suchen. „Wie beeindrucken wir die Autoleute?“, hatten sie zuvor ihre Betreuerin gefragt. Durch die Straßen des Viertels laufen kurz nach der mit viel Beifall bedachten Filmvorführung alle Teilnehmenden des Patennachmittags. Vorbei geht es an kleinen Geschäften, gemütlichen Weinstuben und an solchen Etablissements, denen das Viertel seinen Ruf als Rotlichtviertel der Stadt verdankt.

Ein Blick in Hinterhöfe und auf eingezäunte Spielplätze lässt erkennen, dass in der Erwachsenenwelt wenig Raum für Kinder ist. Dabei ist der Anteil der kinderreichen Familien hier besonders hoch. Viele Migrantenfamilien leben hier in Altbauten. Dass die Kinder tagein, tagaus zwischen Prostitution, Alkohol- und Drogenmissbrauch groß werden, stimmt bedenklich. Beruhigend ist, dass es hier auch gut geführte Kindergärten und –horte gibt, so den Evangelischen Kindergarten in der Christophstraße. Im Beratungszentrum Mitte des Jugendamts wird die Besuchergruppe von Teamleiterin Sabina Schaefer empfangen. Von hier erhalten die HzE ihre Betreuungsaufträge.

eva’s Festtafel, die letzte vor der großen öffentlichen Festtafel, findet im großen Saal des Hauses der Diakonie statt. Nach und nach füllt sich der Saal mit jungen Klienten. Viele werden von ihren Müttern begleitet. Der elfjährige Osan und seine Freunde hüpfen beim Anblick des Buffets begeistert durch den Saal. Bald nippen fast alle Kids an einer Cola- oder Fanta-Flasche. Höhepunkt ist ein Film, in dem neunzehn Menschen aller Altersgruppen ausdrücken, was für sie Glück bedeutet. Für eine kesse 17-jährige wäre „Stewardess“ das höchste Glück auf Erden, für eine andere die deutsche Staatsangehörigkeit und eine 70-jährige Dame, die im Saal mitfeiert, bekennt, dass sie glücklich ist, noch immer einen Beruf ausüben zu können.

„Das Leben ist nicht nur ein Jammer, es ist auch ein Fest“, scherzt Pfarrer Heinz Gerstlauer, als er die Gäste an eva’s Festtafel bittet. Rudolf Streppel von DaimlerChrysler nimmt die Gelegenheit zu einem Schlusswort wahr. Er zeigt sich tief beeindruckt von dem Engagement, das er und seine Kollegen an diesem Tag kennen gelernt haben. „Es hat viel Spaß gemacht“ sagt er über diesen Tag weit außerhalb der technischen Themen und unterstreicht seine Aussage: „Ich habe dazu das eindeutige Votum meiner Kollegen.“

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